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Altenpflege

Intimität und Sex im Alten- und Pflegeheim

Sexualität ist eine positive Energie, sie macht uns wieder lebendig, so meinte ein 86-jähriger Bewohner eines Altersheims als er morgens zusammen mit seiner 80-jährigen Freundin nackt im Bett lag und von der Altenpflegerin geweckt wurde.

Sex im Altersheim? Wie lässt sich erklären, dass jüngere Leute viele Jahre nach der sexuellen Aufklärung durch Oswald Kolle und der Sexbefreiung 1968 noch immer alte Menschen als sexneutral einstufen, als hätten die alten Damen und Herren ihre Sexualität an der Treppe zum Altersheim abgegeben? Vielleicht liegt es daran, dass wir uns Sex bei unseren alten Eltern oder Großeltern nicht vorstellen können? Oder sind es generelle Hemmungen, über das Thema Intimität zu sprechen? Vorstellbar sind auch die Einflüsse von religiösen Gemeinschaften, die mit diesem Thema nicht offen umgehen können, dabei spielen Sexualität und Intimität auch für alte Menschen eine wichtige Rolle.

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Manche Alten- und Pflegeheime können aber sehr wohl mit dem Thema umgehen und bestätigen, dass Sexualität ein Grundbedürfnis ist und zum Menschsein gehört. Sie nehmen Rücksicht, wenn Paare in einem Zimmer allein sein wollen oder ziehen sich zurück wenn sie Bewohner oder Bewohnerin bei der Selbstbefriedigung stören. Meist ist es auch nur ein kleiner Teil der Bewohner, die noch sexuell aktiv sind, wobei die Männer hier den höheren Anteil stellen. Aber die Möglichkeit sich zurückzuziehen, ist in den meisten Heimen nicht möglich. Oft sind es Doppelzimmer in denen die Bewohner keine Möglichkeit haben, sich in Ruhe zurückzuziehen und miteinander zu schmusen. Bei Umfragen in Seniorenheimen sagten 63 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen aus, dass sie Sex im Alter normal empfinden und 43 Prozent fühlten sich in ihrer Sexualität eingeschränkt. Männer und Frauen waren gleicher Meinung.

Die Beschäftigung mit diesem Thema ist sicher in vielen Heimen gar nicht möglich, da sich, aufgrund von wenig Personal, die Alterpfleger/innen mit diesem Thema nicht auch noch auseinandersetzen können und betonen, dass sie für die Pflege da seien, aber nicht für die sexuellen Bedürfnisse der Bewohner. Es gibt jedoch Alten- und Pflegeheime, die ihren Bewohnern helfen, eine Sexualbegleiterin anzufordern oder Adressen von Prostituierten herauszusuchen. Bezahlen müssen sie die Dienstleistung jedoch selbst und wenn eine Prostituierte ins Heim kommt, ist das sicher nicht von jedem Bewohner bezahlbar. Oft regeln die Angehörigen die Finanzen der Bewohner und verbieten die Dienstleistung, da jeder Euro von ihrem Erbe abgeht.

Die Alten- und Pflegeheime sollten sich überlegen, wie sie mit Intimität umgehen wollen und müssen Konzepte entwickeln, damit sich auch die Gesellschaft ganz langsam für dieses Thema öffnet.

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