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Gewalt in der Pflege

Gewalt in der Pflege: Erkennen und Vorbeugen

Gewalt in Pflegebeziehungen galt lange Zeit als Tabuthema. Inzwischen wird vielfach offen über Gewaltanwendungen gesprochen, angehende Pflegekräfte werden speziell für diese Situationen geschult. Damit Pflegekraft und Patient gut miteinander auskommen, ist es besonders wichtig, zwischenmenschliche Spannungen frühzeitig zu erkennen und die Kommunikation untereinander zu fördern.

Gewalt zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigem

Gewalt in der Pfleger-Patient-Beziehung kann sich auf vielfältige Weise äußern. Nur selten kommt es zu Handgreiflichkeiten oder Schlägen, psychische Gewalt ist jedoch noch immer weit verbreitet. Ein Patient leidet unter Gewalt, wenn er an sein Bett fixiert wird, gegen seinen Willen bei den Mahlzeiten zur Essensaufnahme oder zur Einnahme von Medikamenten gezwungen wird oder in seiner Intimsphäre gestört wird. Mit Worten können Pflegekräfte einen Patienten ebenso verletzen wie mit Taten. Auch die Abnahme von Tätigkeiten, die der Patient scheinbar zu langsam ausführt, wird als Gewalt gewertet. Als strukturelle Gewalt gilt die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung gegen den ausdrücklichen Wunsch des Patienten.

Umgekehrt können Pfleger jedoch auch unter Gewalt durch den Patienten leiden, beispielsweise wenn sie geschlagen, beleidigt oder gemobbt werden. Auch zu sexueller Belästigung kommt es in Pflegeeinrichtungen immer wieder. Angehörige von Pflegebedürftigen leiden unter Gewalt, wenn ihnen durch Pflegekräfte oder den Pflegebedürftigen selbst Schuldgefühle für die Heimunterbringung eingeredet werden. Werden sie aus der Betreuung ausgeschlossen und nicht umfassend informiert, gilt auch dies als eine Form der Gewalteinwirkung.

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Gezielt der Gewalt vorbeugen

Pflegekräfte stehen häufig unter einem extremen Zeitdruck, der durch den Fachkräftemangel in der Pflege begünstigt wird. Stress und Leistungsdruck können gegenüber den Pflegebedürftigen in Gewaltanwendungen resultieren. Nutzt ein Patient Gewalt, leidet er meist unter Hilflosigkeit, Angst oder Einsamkeit durch den Umzug in eine Pflegeeinrichtung oder mangelnden Kontakt zu den Angehörigen.
Die Kommunikation in der Pfleger-Patient-Beziehung ist gestört. Weil zu wenig gesprochen und die eigenen Bedürfnisse nicht geäußert werden, kommt es zu Missverständnissen oder Provokationen, die kurz- oder langfristig in Gewalteinwirkungen enden können.

In der Beziehung zwischen Pflegekraft und Patient lässt sich Gewalt somit nur vorbeugen, wenn durch stetige Kommunikation ein Vertrauensverhältnis entsteht. Weiß der Patient von Beginn an, dass er seine Wünsche offen äußern kann, und der Pfleger ebenfalls seine Erwartungen an den Patienten formuliert, lassen sich viele Missverständnisse und Spannungen vorbeugen.
Kommt es dennoch zu Gewaltsamkeiten zwischen Pflegekraft und Patient, sollte das Opfer seine Ablehnung klar formulieren und eine neutrale Person als Vermittler zur Hilfe holen. Doch schlussendlich liegt die Verantwortung bei der Pflegekraft, denn leider lassen noch immer zu viele Patienten die Gewalt über sich ergehen.

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